Modelle von Zeit in der Gegenwartskunst

Mittwoch 23. Oktober 2019, 19.00 Uhr Vortrag

Kunststiftung Erich Hauser, Saline 36,78628 Rottweil, Konferenzraum, Schwarzes Haus

Dr. Hannelore Paflik-Huber, Dozentin für Ästhetik an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und 1. Vorsitzende des Künstlerhauses Stuttgart e.V., spricht über Modelle von Zeit in der Gegenwartskunst.

Kunstwerke zeigen, wie unendlich vielfältig das Phänomen Zeit ist. Wie nehmen wir Zeit wahr? Gibt es ein Zeitbewusstsein und wenn ja, wo lässt sich dieses verorten? Zeit ist zwar messbar, jedoch wie ist sie erfahrbar? Anhand von Beispielen der zeitgenössischen Kunst wird dieser Vortrag einen Überblick über die Viel- falt geben, wie Zeit aus unterschied- lichen Perspektiven wahrnehmbar ist. Ein Einblick in aktuelle Forschungsergebnisse der Neurowissenschaften und der Physik werden zu Beginn vorgestellt.

Vortrag — Von der Gegenwart bis zur Unendlichkeit — Modelle von Zeit in der Gegenwartskunst

Mittwoch 09.01.19, 19:00 – 21:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart

Der Tag ist eine überschaubare Zeiteinheit, geht doch der Zeiger um Mitternacht wieder auf Null und alles kann, wie es Andy Warhol so treffend sagt – Every day is an new day – von Neuem beginnen. Die kontinuierlich, ablaufende Zeit ist ein Phänomen, mit dem wir im Alltag und dem unaufhörlichen Ticktack im Hintergrund unsere lieben Schwierigkeiten haben.

Jedes Jahr erinnert uns der Geburtstag an den glücklichen Moment unserer Geburt, das heißt an unser Dasein, aber auch daran, dass wir unaufhaltsam Tag für Tag, Jahr für Jahr älter werden. In diesem Vortrag wird an Bespielen zeitgenössischer Kunst gezeigt, dass nichts ist, wie es scheint. Auch die scheinbar einfach messbare Zeiteinheit Tag gaukelt uns in mancherlei Hinsicht etwas vor.

Anhand der unterschiedlichen ästhetischen Modelle, die Künstler_innen erfinden, um der 4. Dimension Zeit ein sichtbares Bild zu geben, wird sehr schnell klar, dass Zeit zwar messbar, aber auf keinen Fall fassbar ist. Die Kunstwerke zeigen, wie unendlich vielfältig Zeit und Tag darstellbar sind. Die Messbarkeit der Zeit gibt uns die Illusion, alles im Griff zu haben. Um dieses komplexe ontologische Phänomen zu begreifen, braucht man Bilder. Und die liefern die Bildende Kunst.

Link zur Veranstaltung am 09.01.2019

Publikation 40 Jahre Künstlerhaus Stuttgart

Das Künstlerhaus wurde 1978 von Stuttgarter Künstler/
-innen gegründet und hat sich seitdem zu einer überregional
und international profilierten Institution für
Gegenwartskunst entwickelt. In einem Zyklus von vier
beziehungsweise fünf Jahren wechseln die künstlerischen
Leiter/-innen, mit ihnen auch das kuratorische Konzept.
In dieser Publikation, die anlässlich des 40-jährigen
Bestehens erscheint, wird am Beispiel der künstlerischen
Leiter/-innen eine Geschichte des Kuratierens erzählt.
Zu Wort kommen Künstler-/innen, die hier am Beginn
ihrer Laufbahn künstlerische Projekte realisieren konnten,
wie Douglas Gordon, Susanne Kriemann, Olafur Eliasson,
Sharon Lockhart, Roman Signer, Oscar Tuazon und viele
mehr. Persönlichkeiten der Kunstszene geben ihre Statements
zu der besonderen Bedeutung dieses Hauses.

 

AV EDITION (PDF)

40 Jahre Künstlerhaus Stuttgart

Am Samstag, den 22. September 2018 feierte das Künstlerhaus Stuttgart sein 40-Jähriges Bestehen und eröffnete das durch die Londoner Architekten Donald Matheson und Simon Jones umgebaute und neu gestaltete Cafe. Die erste Vorsitzende, Dr. Hannelore Paflik-Huber, moderierte den Abend.

Kurzvideo 3:30 min.

Langfassung 23 Minuten

Hannelore Paflik-Huber am Samstag, dem 24.2.2018 im SWR 2 Journal am Mittag live von der art Karlsruhe zu hören

Hannelore Paflik-Huber wurde am Samstag, den 24.2.2018 auf der ART Karlsruhe im SWR2 im „Journal am Mittag“ live über Frauen im Kunstbetrieb interviewt. Moderation: Marie-Dominique Wetzel.

Hannelore Paflik-Huber auf dem Heidelberger Symposium zu Ehren von Peter Anselm Riedl am 2. Februar 2018

Hannelore Paflik-Huber auf dem Heidelberger Symposium zu Ehren von Peter Anselm Riedl im Heidelberger Kunstverein am 2. Februar 2018. Moderation: Stefan Hohenadel. In der Mitte: Der Künstler Clapeko van der Heide.

One Million Years (Reading) -Performance

HPH liest am 29.6.2017, von 17:00 bis 19:00 Uhr.

VENEDIG BIENNALE , 9. Mai bis 30. Juli 2017.
On Kawaras episches Werk „One Million Year“ wird während der Biennale in Venedig gelesen.
Ort: Oratorio di San Ludovico
Dorsoduro 2552 (Calle dei Vecchi), 30123, Venezia.

Da es ein ungerades Datum ist, werden die vergangenen Jahre gelesen, da ich eine weibliche Person bin, lese ich die geraden Zahlen.
Organisator: Ikon-Gallery, Birmingham, England.
Kurator: Jonathan Watkins, Direktor des Museums.
Die Teilnehmer_Innen werden in den Nachlass des Künstlers eingetragen und somit zu einem Teil seines Werks.

Pressebericht des Museums:
„Der Ort für die One Million Year (Lesung) ist das Oratorium di San Ludovico, Dorsoduro, und er könnte nicht geeigneter sein: ein altes religiöses Gebäude mit wunderbarer Akustik, wie entworfen für die menschliche Stimme. Die Sachlichkeit des Lesens wird dort durch das Vorhandensein eines Altarbildes vereitelt, geweiht, symbolisch für das ewige Leben. In diesem Sinne ist auch Venedig selbst der geeignete Standort für die Arbeit. Seine Zerbrechlichkeit und Schönheit, die zwischen dem Meer und dem Himmel gefangen wird, ist oft mit der Vergänglichkeit des menschlichen Lebens verbunden.
On Kawara wird auch bei der diesjährigen Ausstellung: Skulptur Projekte Münster gezeigt. „Date Paintings“ des Künstlers werden in einem Kindergarten in der Stadt als Teil installiert. Die Gemälde sind nur sichtbar, wenn die Klasse nicht im Raum sind.“

27. OKTOBER 2015
„ONE MILLION YEARS – PAST AND FUTURE“ VON ON KAWARA IN FRANKFURT
VON TAMARA MARSZALKOWSKI
Sevenhundredsixtythousandsixhundredfortynine BC, twohundredfiftyeightthousandninehundredfifty AD … Zeit ist relativ. Mal zieht sich ein kurzer Moment in die Ewigkeit, mal lassen sich gleich mehrere Jahrhunderte in zwei Jahreszahlen pressen. Der längste Schnitt der Filmgeschichte springt innerhalb von Sekunden von der Entstehung des Menschen bis hin in die ferne Zukunft, in der die Menschheit hoch entwickelt den Weltraum besiedelt. Mal springt man über ein paar Blätter durch die Menschheitsgeschichte, mal zieht innerhalb von einer Sekunde ein ganzes Leben an jemandem vorbei. Zeit kommt, fließt, stagniert, läuft, dehnt sich, krümmt sich. Sie lässt sich jedoch kaum erfassen. Auch nicht, wenn man sich ein ganzes Leben lang mit ihr beschäftigt. Und auch nicht wenn man eine Million Jahre in sein Leben steckt.
DIE KURZWEILIGKEIT EINER GANZEN SPEZIES
Der japanische Konzeptkünstler On Kawara hat sich sein ganzes Leben lang mit dem Verhältnis der Menschen zur Zeit auseinandergesetzt. Sein Werk „One Million Years“ ist monumental und umfasst 20 Bände. Der erste Teil dieses Projekts heißt „One Millione Years [Past]“ und ist aus dem Jahr 1969. Die Bücher beinhalten eine Million ausgeschriebener Jahreszahlen von dem Jahr 998.031 B.C. bis 1969 A.D. Der zweite Teil der Arbeit „One Million Years [Future]“ wurde 1981 fertig gestellt und beinhaltet eine Million Jahreszahlen von 1996 A.D. bis 1.001.995 A.D. in Ziffern. Jedes, der in Leder eingebundenen Bände, beinhaltet 2.068 auf Bibelpapier gedruckte Seiten. Der Untertitel des ersten Teils lautet „For all those who have lived and died“ und macht aufmerksam auf die Bedeutung eines einzelnen Individuums, die kurze Zeitspanne eines Lebens und seine Position in einem Gefüge in einem größeren Ganzen. Der zweite Teil ist jemand ganz besonderem gewidmet und zwar „For the last one“. Das vergegenwärtigt wiederum die Einordnung einer ganzen Spezies in ein größeres Ganzes und führt selbst die Kurzweiligkeit einer ganzen Spezies vor Augen.
Die Lesung dieser Arbeit fand 1993 während Kawaras einjähriger Einzelausstellung „One Thousand Days One Million Years“ im Dia Center for the Arts in New York statt. Die Besucher konnten „One Million Years [Future]“ hören, während „One Million Years [Past]“ und eine Gruppe von seinen „Date Paintings“ ausgestellt wurde. Die längste Lesung von „One Million Years“ fand während der documenta 11 im Jahr 2002 statt. Dort las jeweils ein männlicher und weiblicher Teilnehmer, nebeneinander sitzend in einem Glaskasten, abwechselnd aus „[Past]“ und „[Future]“ während der gesamten 100 Tage dauernden Ausstellung. 2004 wurde das Projekt auf dem Trafalgar Square in London draußen in einer fortdauernden Lesung sieben Tage und sieben Nächte lang durchgeführt. Seitdem finden die Lesungen und Aufnahmen in Städten in der ganzen Welt statt. Das Projekt reist. Und jedes Mal wird dort weitergelesen wo es beim letzten Mal aufgehört hat.
„ONE MILLION YEARS“ MITTEN IN FRANKFURT
Man nimmt an, dass es 2.700 CDs brauchen wird, die Lesung von „[Past]“ und „[Future]“ zu vervollständigen. Im Durchschnitt werden 27 CDs pro Jahr aufgenommen. So schätzt man für die Fertigstellung des gesamten Projekts etwa 100 Jahren ein. Die letzte und sehr bedeutende Lesung fand im Guggenheim in New York im Februar 2015 statt. Und nun dürfen wir On Kawara mit „One Million Years“ hier, mitten in Frankfurt, der vielleicht kleinsten Metropole der Welt, begrüßen. Studierende der Studiengalerie 1.357 der Goethe-Universität haben seine Arbeit auf den Campus Westend geholt. Vom 28. Oktober bis zum 26. November 2015 präsentieren sie in Kooperation mit dem MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt in den Räumlichkeiten der Universität. Die Live-Readings sind im Foyer und in der Rotunde des IG-Farben-Gebäudes am 28. Oktober von 12 bis 23 Uhr zu hören und am 29. Oktober von 10 bis 18 Uhr. Die Bände mit den Jahreszahlen kann man in Raum 1.357 im 1. Stock besichtigen.

Schirn Magazin zuletzt aufgerufen am 14.5.2017

Timelessness

Let’s mix together ( all media ) together & Hans Dieter Huber erscheint

Kunstwissenschaftliche Antworten auf die Frage nach dem Standort der Kunst heute
Die Kunstwissenschaft zeichnet sich in den letzten Jahrzehnten dadurch aus, dass sie analog zur Entwicklung in der Kunst keine übergreifende Stilbildung mehr betreibt. In der vorliegenden Publikation nähern sich nun international anerkannte Kunstwissenschaftler, Philosophen und Medienwissenschaftler dem Begriff »Bild« – sowohl durch klassische Bildanalysen und ästhetische Fragestellungen als auch durch Versuche, einen neuen wissenschaftlichen Begriff für Kunst zu finden. Die Autoren, darunter Felix Ensslin, Frieder Nake, Jean-Baptiste Joly, Ute Meta Bauer, Katharina Sykora und Beat Wyss, erörtern, wie wir Bilder lesen und welchen Stellenwert diese in unserem Denken heute einnehmen. Beispielhaft zeigen 30 Kunstwerke, etwa von John Baldessari, Gianfranco Baruchello, Holger Friese, Matthias Hoch, Christian Jankowski, Stephan Jung, Markus Schinwald oder Peter Weibel, die ganze Vielfalt der heutigen Bildproduktion in der Kunst.

Text(e) von Ute Meta Bauer, Jean Baptiste Joly, Bettina Lockemann, Reinhold Heller, Martin Schulz, Pamela C. Scorzin, Werner Sobek, Annette Tietenberg, Walter Tschopp, Martin Warnke, Beat Wyss, Rüdiger Zill u.a., Interview von Klaus Gerrit Friese & Dieter Huber, Gestaltung von Uli Cluss, Hrsg. Hannelore Paflik-Huber
48 €
2016. 504 Seiten, 135 Abb.
Broschur

16,00 x 23,00 cm
ISBN 978-3-7757-3755-5