HPH liest am 29.6.2017, von 17:00 bis 19:00 Uhr.

VENEDIG BIENNALE , 9. Mai bis 30. Juli 2017.
On Kawaras episches Werk “One Million Year“ wird wĂ€hrend der Biennale in Venedig gelesen.
Ort: Oratorio di San Ludovico
Dorsoduro 2552 (Calle dei Vecchi), 30123, Venezia.

Da es ein ungerades Datum ist, werden die vergangenen Jahre gelesen, da ich eine weibliche Person bin, lese ich die geraden Zahlen.
Organisator: Ikon-Gallery, Birmingham, England.
Kurator: Jonathan Watkins, Direktor des Museums.
Die Teilnehmer_Innen werden in den Nachlass des KĂŒnstlers eingetragen und somit zu einem Teil seines Werks.

Pressebericht des Museums:
„Der Ort fĂŒr die One Million Year (Lesung) ist das Oratorium di San Ludovico, Dorsoduro, und er könnte nicht geeigneter sein: ein altes religiöses GebĂ€ude mit wunderbarer Akustik, wie entworfen fĂŒr die menschliche Stimme. Die Sachlichkeit des Lesens wird dort durch das Vorhandensein eines Altarbildes vereitelt, geweiht, symbolisch fĂŒr das ewige Leben. In diesem Sinne ist auch Venedig selbst der geeignete Standort fĂŒr die Arbeit. Seine Zerbrechlichkeit und Schönheit, die zwischen dem Meer und dem Himmel gefangen wird, ist oft mit der VergĂ€nglichkeit des menschlichen Lebens verbunden.
On Kawara wird auch bei der diesjĂ€hrigen Ausstellung: Skulptur Projekte MĂŒnster gezeigt. “Date Paintings” des KĂŒnstlers werden in einem Kindergarten in der Stadt als Teil installiert. Die GemĂ€lde sind nur sichtbar, wenn die Klasse nicht im Raum sind.“

27. OKTOBER 2015
„ONE MILLION YEARS – PAST AND FUTURE“ VON ON KAWARA IN FRANKFURT
VON TAMARA MARSZALKOWSKI
Sevenhundredsixtythousandsixhundredfortynine BC, twohundredfiftyeightthousandninehundredfifty AD … Zeit ist relativ. Mal zieht sich ein kurzer Moment in die Ewigkeit, mal lassen sich gleich mehrere Jahrhunderte in zwei Jahreszahlen pressen. Der lĂ€ngste Schnitt der Filmgeschichte springt innerhalb von Sekunden von der Entstehung des Menschen bis hin in die ferne Zukunft, in der die Menschheit hoch entwickelt den Weltraum besiedelt. Mal springt man ĂŒber ein paar BlĂ€tter durch die Menschheitsgeschichte, mal zieht innerhalb von einer Sekunde ein ganzes Leben an jemandem vorbei. Zeit kommt, fließt, stagniert, lĂ€uft, dehnt sich, krĂŒmmt sich. Sie lĂ€sst sich jedoch kaum erfassen. Auch nicht, wenn man sich ein ganzes Leben lang mit ihr beschĂ€ftigt. Und auch nicht wenn man eine Million Jahre in sein Leben steckt.
DIE KURZWEILIGKEIT EINER GANZEN SPEZIES
Der japanische KonzeptkĂŒnstler On Kawara hat sich sein ganzes Leben lang mit dem VerhĂ€ltnis der Menschen zur Zeit auseinandergesetzt. Sein Werk “One Million Years” ist monumental und umfasst 20 BĂ€nde. Der erste Teil dieses Projekts heißt “One Millione Years [Past]” und ist aus dem Jahr 1969. Die BĂŒcher beinhalten eine Million ausgeschriebener Jahreszahlen von dem Jahr 998.031 B.C. bis 1969 A.D. Der zweite Teil der Arbeit “One Million Years [Future]” wurde 1981 fertig gestellt und beinhaltet eine Million Jahreszahlen von 1996 A.D. bis 1.001.995 A.D. in Ziffern. Jedes, der in Leder eingebundenen BĂ€nde, beinhaltet 2.068 auf Bibelpapier gedruckte Seiten. Der Untertitel des ersten Teils lautet „For all those who have lived and died“ und macht aufmerksam auf die Bedeutung eines einzelnen Individuums, die kurze Zeitspanne eines Lebens und seine Position in einem GefĂŒge in einem grĂ¶ĂŸeren Ganzen. Der zweite Teil ist jemand ganz besonderem gewidmet und zwar „For the last one“. Das vergegenwĂ€rtigt wiederum die Einordnung einer ganzen Spezies in ein grĂ¶ĂŸeres Ganzes und fĂŒhrt selbst die Kurzweiligkeit einer ganzen Spezies vor Augen.
Die Lesung dieser Arbeit fand 1993 wĂ€hrend Kawaras einjĂ€hriger Einzelausstellung „One Thousand Days One Million Years“ im Dia Center for the Arts in New York statt. Die Besucher konnten “One Million Years [Future]” hören, wĂ€hrend “One Million Years [Past]” und eine Gruppe von seinen “Date Paintings” ausgestellt wurde. Die lĂ€ngste Lesung von “One Million Years” fand wĂ€hrend der documenta 11 im Jahr 2002 statt. Dort las jeweils ein mĂ€nnlicher und weiblicher Teilnehmer, nebeneinander sitzend in einem Glaskasten, abwechselnd aus “[Past]” und “[Future]” wĂ€hrend der gesamten 100 Tage dauernden Ausstellung. 2004 wurde das Projekt auf dem Trafalgar Square in London draußen in einer fortdauernden Lesung sieben Tage und sieben NĂ€chte lang durchgefĂŒhrt. Seitdem finden die Lesungen und Aufnahmen in StĂ€dten in der ganzen Welt statt. Das Projekt reist. Und jedes Mal wird dort weitergelesen wo es beim letzten Mal aufgehört hat.
“ONE MILLION YEARS” MITTEN IN FRANKFURT
Man nimmt an, dass es 2.700 CDs brauchen wird, die Lesung von “[Past]” und “[Future]” zu vervollstĂ€ndigen. Im Durchschnitt werden 27 CDs pro Jahr aufgenommen. So schĂ€tzt man fĂŒr die Fertigstellung des gesamten Projekts etwa 100 Jahren ein. Die letzte und sehr bedeutende Lesung fand im Guggenheim in New York im Februar 2015 statt. Und nun dĂŒrfen wir On Kawara mit “One Million Years” hier, mitten in Frankfurt, der vielleicht kleinsten Metropole der Welt, begrĂŒĂŸen. Studierende der Studiengalerie 1.357 der Goethe-UniversitĂ€t haben seine Arbeit auf den Campus Westend geholt. Vom 28. Oktober bis zum 26. November 2015 prĂ€sentieren sie in Kooperation mit dem MMK Museum fĂŒr Moderne Kunst Frankfurt in den RĂ€umlichkeiten der UniversitĂ€t. Die Live-Readings sind im Foyer und in der Rotunde des IG-Farben-GebĂ€udes am 28. Oktober von 12 bis 23 Uhr zu hören und am 29. Oktober von 10 bis 18 Uhr. Die BĂ€nde mit den Jahreszahlen kann man in Raum 1.357 im 1. Stock besichtigen.

Schirn Magazin zuletzt aufgerufen am 14.5.2017